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Marko Winter

von Marko Winter

Der Wahlkampfauftakt unseres Direktkandidaten für den Deutschen Bundestag, Prof. Dr. Heiko Hessenkemper, fand am 19.01.2017 in Holzhau statt (Informationen dazu hier und hier). Der Wahlkampf von Hessenkemper steht unter dem Motto "Unser Deutschland zuerst!". In der Freien Presse erschien am 21.01. der Bericht darüber, unter dem Titel "Gegen Politik, Medien und Mitläufer".

Einige Tage später reagierten einige Leute dann mittels Leserbriefe, u.a. Prof. Frieder Häfner aus Freiberg, welcher die Christen in der AfD direkt ansprach (hier in Auszügen, der vollständige Leserbrief ist nicht online verfügbar):

"[...] Und er nutzt Nazi-Vokabeln wie Umvolkung [...] Ich frage auch die Christen unter den AfD-Mitgliedern und Sympathisanten (vor allem die, mit denen ich manchmal gemeinsam im Gottesdienst bin), wie sie mit den Ansichten der AfD zu hilfsbedürftigen Flüchtlingen, zur 'Machtergreifung' und zur AfD-Parole 'Deutschland zuerst' umgehen? Mir würde es große Probleme bereiten, beides unter einen Hut zu bekommen." 

Daraufhin gab ich folgenden Offenen Brief als Antwort:

Sehr geehrter Herr Professor Häfner,

Sie sprechen mich als Christ direkt an, weil ich für die AfD im Freiberger Stadtrat und im Vorstand des Kreisverbandes aktiv bin. Da ich ihr Gesicht nicht zuordnen kann, kann ich leider nicht sagen, wie oft ich mit Ihnen im Gottesdienst gesessen habe.

Im ersten Teil ihres Briefes bemächtigen Sie sich einiger Begriffe, welche von den Nationalsozialisten gebraucht wurden und die den heutigen Nutzer dann zum „Nazi“ machen.

Ihre Argumentation hat einen entscheidenden Ansatzfehler. Denn wir sind gegen Umvolkung, und zwar egal ob durch Nazis, Grüne oder andere praktiziert. Die Nazis waren dafür. Die Politik, welche hinter dem Wort steht, ist das Problem – nicht das Wort selber!

Bezüglich des Christentums sitzen Sie einer verkürzten Sichtweise auf. Bereits der Apostel Paulus prägte den Satz: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“ (2. Thes. 3, 10). Was würde er wohl zu den mehrheitlich jungen Männern sagen, welche gezielt nach Deutschland kommen, weil es hier relativ viel Geld gibt, und welche dabei die Schutzbedürftigsten, ihre Eltern, Frauen und Schwestern, zurücklassen?

Und warum denken Sie, Jesus und die Apostel hätten sich in den Schlepptau der Regierenden begeben? Ihr Kennzeichen war ja gerade die Distanz zur religiösen und weltlichen Macht, was ihnen Glaubwürdigkeit einbrachte – im Gegensatz zu den führenden Vertretern der heutigen Staatskirche.

Sie fragten, wie wir Christen in der AfD zu Professor Hessenkempers Wahlkampfmotto „Unser Deutschland zuerst!“ stehen. Die Bibel empfiehlt „Suchet der Stadt Bestes“ (Jer, 29:7). Es ist für mich ganz klar, dass es hier um die eigene Stadt, um das eigene Land und Volk geht. Es geht nicht um das Beste für irgendwelche fremden Personen, sondern für die eigenen Bürger. Das ist die andere Seite von „Unser Deutschland zuerst!“.

Doch kommen wir zum letzten Punkt, den Sie vernachlässigen. Wie können wir Christen uns dafür einsetzen, wirklich Bedürftigen in großer Anzahl zu helfen? Dazu ein Rechenbeispiel: Für 2017 rechnet man für 243 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit Kosten in Höhe von 14,6 Millionen (im Landkreis Mittelsachsen)! Das würde einem Betrag von circa 60.100 Euro pro Kopf und Jahr entsprechen.

Das Bruttoinlandsprodukt in Syrien lag 2010 bei 2900 US-Dollar pro Kopf und Jahr. Das heißt für 14,6 Millionen Euro könnte man nach heutigen Wechselkurs knapp 5390 Syrer – alte Menschen, Frauen, Kinder und auch die besagten jungen Männer – in der Umgebung der Krisenregion ordentlich versorgen. Mit einem Bruchteil der Ressourcen kann vor Ort also erheblich mehr Menschen geholfen werden. Und zwar ohne, dass diese ihr Geld für die kriminellen Schlepper ausgeben müssten und ohne die Tragödie der Toten im Mittelmeer, angelockt von Angela Merkels Politik und den Versprechungen der Schlepper.

Wie sollte ich mich als Christ anders entscheiden als für „Unser Deutschland zuerst!“ und für sinnvolle Hilfe vor Ort, Professor Häfner?

Marko Winter, AfD-Stadtrat

Für die öffentliche Äußerung dieser Gedanken bekam ich sehr viel Zustimmung. Die Reaktionen einiger hochpolitisierter Pfarrer waren hingegen weniger schön, die Freie Presse berichtete am 01.02.2017.

Es ist schade, dass Behauptungen aufgestellt wurden, ohne vorher das persönliche Gespräch mit mir zu suchen oder (Gegen-)Fragen zu beantworten. Zu den Vorwürfen, ich hätte das Wort „Suchet der Stadt Bestes“ aus dem biblischen Zusammenhang gerissen, ist folgendes zu sagen:

Mir ist bekannt, dass der Prophet Jeremia diese Anweisungen an Israelis in Gefangenschaft schreibt, die ihre Heimat zwangsweise verlassen mussten (Deportation). Der Ausdruck "verschleppte Kriegsflüchtlinge" ist ein Widerspruch in sich: Verschleppte sind keine Flüchtlinge. Ein sachlicher Zusammenhang zur heutigen Asylsituation existiert nicht. Diese Wanderung basiert auf persönlicher Entscheidung.

Zu politisch engagierten Christen passt das Wort, weil wir einerseits "Bürger des Reiches Gottes" und andererseits inmitten dieser Welt sind. Es wurde u.a. vom OB a.D. Dr. Konrad Heinze gebraucht (1990 oder im Jubiläum 2010). Die Interpretation, was in konkreter Situation "der Stadt Bestes" ist, kann übrigens durchaus verschieden sein.

Politische Kampfbegriffe, wie "rassistisch" erschweren den Dialog zusätzlich. "Rassistisch" ist im heutigen Gebrauch ein sinn- und wertloses Konstrukt links-grüner Weltverbesserungsideologie, ohne Rücksicht auf irgendwelche Opfer. Spätestens seit letztem Silvester, als es wegen "rassistischen" Verhaltens der Polizei nicht zu massenhaften Vergewaltigungen kam, müsste die Herkunft des Kampfbegriffes klar sein.

Weiter lässt sich das Thema auf diesem Wege aber nicht klären. Deswegen würde ich gerne mit jemandem aus der Gruppe der Pfarrer, die mich kritisieren, zu einem gemeinsamen Podiumsgespräch kommen. Dazu werde ich diesen drei einen Vorschlag unterbreiten. Wie ich aus zahlreichen Gesprächen erfahren habe, ist das Thema auch für Freiberger Christen von Bedeutung.