Text und Bild: Kim H. Björn Höcke

Am Rande unserer erfolgreichen und gut besuchten Wahlkampfauftaktveranstaltung in Lommatzsch, Landkreis Meißen, hatten wir die Gelegenheit, ein Interview mit dem AfD-Landessprecher in Thüringen, Björn Höcke, zu führen.

Herr Höcke, was ist Ihr Hauptanliegen bei der kommenden Landtagswahl in Thüringen? Was wollen Sie unbedingt erreichen?

Höcke: Das ist gar nicht so einfach, weil dieses Land ja nun kurz davorsteht, frontal gegen die Wand gefahren zu werden. Da weiß man eigentlich gar nicht, wo man anfangen soll. (lacht)

Meine persönlichen Vorlieben sind einerseits die Bildungspolitik, da ich selbst fünfzehn Jahre Lehrer war und vier schulpflichtige Kinder habe, die unter dem Schulsystem leiden und massiv von Unterrichtsausfall betroffen sind. Das ist eine Katastrophe! Da leidet man als Vater einfach mit. Deswegen müssen wir wieder ein leistungsfähiges Bildungssystem bekommen.

Dann ist mir natürlich auch die Familienpolitik sehr wichtig. Das ist vielleicht sogar das, was dieses Land am dringendsten benötigt – eine demografische Wende. Wir müssen auch auf Landesebene dafür sorgen, dass das „Ja!“ zum Kind von jungen Paaren nicht am Geld scheitern darf. Wir wollen das familienfreundlichste Bundesland werden.

Die soziale Frage ist mir auch ein Herzensanliegen. Das ist zwar meistens auch auf Bundesebene angesiedelt, aber wenn man sieht, wie drückend die Wohnungsnot schon in Städten wie Erfurt ist – und das wird hier in Sachsen vermutlich nicht anders sein -, ist das sehr schlimm und muss dringend verbessert werden. Genau wie die Problematik der Armutsrenten, die nun ein immer größeres Ausmaß annimmt. Wir haben ja das Thüringer Rentenkonzept geschrieben, das gut in der Partei aufgenommen wurde. Dafür werde ich auch weiterhin streiten in der Partei.

Auch für das Rentenkonzept auf Bundesebene?

Höcke: Auch auf Bundesebene!

Ein weiteres Thema ist natürlich auch die innere Sicherheit, die immer weiter zerfällt. In dem Wahlkreis, in dem ich kandidiere, Eichsfeld, eine der wenigen katholischen Gegenden in Thüringen, sehen wir in der Stadt Heilbad Heiligenstadt, wie seit der Grenzöffnung 2015 beispielsweise der Stadtpark ein Ort der Unsicherheit geworden ist. Junge Männer lungern dort herum, Diebstähle ereignen sich. Die innere Sicherheit zerfällt also auch auf dem Land und in kleineren Städten und das muss angegangen werden.

Wenn wir auch gerade beim Thema „Bundesebene“ sind – was denken Sie, warum ist das Wahlverhalten im Osten so anders als im Westen?

Höcke: Das hat verschiedene Ursachen. Das wichtigste ist der Mentalitätsunterschied. Wir sind hier im Osten einfach mit wacheren Sinnen ausgestattet. Die Diktaturerfahrungen haben wir immer noch in den Knochen. Und wir sehen auch jetzt wieder Anzeichen, dass unser Rechtsstaat zerfällt. Wir gehen sowieso schon in Richtung „Gesinnungsdiktatur“, und das kann ganz schnell in eine harte „Unterdrückungsdiktatur“ umschlagen. Und wir haben auch die positive Erfahrung einer friedlichen Revolution! Da müssten wir auch eigentlich viel stolzer drauf sein.

Der zweite Grund ist, dass in Westdeutschland eine Umerziehung stattgefunden hat. Die Menschen sind dort über viele Jahrzehnte, regelrecht systematisch, vom gesunden Patriotismus entwöhnt worden. Sie haben sich dann auch, materialistisch gesehen, dem Konsum hingegeben und den Blick für das Wesentliche verloren. Dafür werden sie noch ein großes Lehrgeld bezahlen müssen.

Wir können nur hoffen, dass wir jetzt im Osten einen Impuls setzen können, der ganz Deutschland aufweckt.

Was bedeutet für Sie „Zusammenhalt“ in der AfD?

Höcke: Das muss vor allem gelebt werden. Eine Partei ist als Organisation leider natürlich auf einen permanenten Machtkampf ausgerichtet. Es ist also ungeheuer schwer, in einer Partei vor allem Vertrauen aufzubauen und das auch zu leben.

Was aber unser Vorteil ist: Wir wissen um einen gemeinsamen historischen Auftrag. Wir dürfen die letzte revolutionäre Chance für Deutschland nicht vertun. Das ist das, was uns am Ende wieder zusammenschweißt. Und auch wenn es mal Turbulenzen in der Partei gibt, so sind dann alle doch so diszipliniert, dass man sich am Ende dafür wieder zusammenfindet. Und das macht mir auch Hoffnung.

Für mich persönlich ist natürlich auch „Der Flügel“ als Vertrauensgemeinschaft wichtig. Da ist es auch schön, diese Gemeinschaft zu leben, jenseits der Partei, sondern sich einfach nur gemeinsam über Deutschland Gedanken zu machen und mit Freunden unterwegs zu sein.

Vielen Dank!