Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des WochenEndSpiegel Freiberger Anzeiger

Zuschauer bei Forum zu Asylbewerberheim: „Führen Sie uns hier nicht vor!“

Freiberg. Relativ spät und auf Dringen der CDU-Stadtrats-Fraktion fand am 9. Juni im GIZeF ein Einwohnerforum in puncto Asylbewerberheim (ABH) am St.-Niclas-Schacht statt. Wie zu erwarten, kamen viele - 130 - Interessenten, von denen einige sogar Steh-, Tisch- bzw. Türstockplätze in Kauf nahmen.

Zunächst die Fakten: Im früheren Lehrlingswohnheim im Freiberger Süden wohnen derzeit 120 Männer, 33 Frauen und 44 Kinder. Neben echten Kriegs-Flüchtlingen aus Syrien oder Libyen sind bei den Herkunftsstaaten auch sichere Länder wie Serbien, Georgien oder Albanien dabei. „Wir haben darauf keinen Einfluss, unsere Behörde hat nicht nach den Gründen zu fragen“, so Jörg Höllmüller vom Landratsamt.

Im weiteren Verlauf wurden in der von Joachim Krahl (Pfingstgemeinde) moderierten Veranstaltung die eingereichten Fragen abgearbeitet. Kritisiert wurde, dass der Heimbetreiber keinen 24-h-Dienst biete und die Problematik „Zaun“. Richtig spannend wurde das Forum aber erst, als es zur Diskussion kam. Viele Anwohner konstatierten dabei unisono „...für Asylbewerber wurden sofort Netzwerke geschaffen, für uns  passierte kaum etwas“, „Ständig wird verharmlost“ oder in Richtung Heimbetreiber: „Führen Sie uns hier nicht vor!“ Inzwischen hatten im Forum Ute Schwarz von der Anwohnerinitiative und Innenstadthändler Sven Glätzner die Co-Moderation an sich gerissen. In Sachen Lärmbelästigung wurde von gleich zwei Gästen „freitägliche Schreiübungen“ konstatiert, aber „... es vergehe doch ohnehin kein Tag ohne irgendwelche Belästigungen“. Der absolute Hit war allerdings die Tatsache, dass es am ABH-Gelände schon ein Autorennen (!) gab. Kein Scherz, dies wurde vom anwesenden Freiberger Polizei-Revierleiter Kunze bestätigt. Mehrmals wurde nach dem leerstehenden Schulgebäude nahe dem ABH gefragt. Höllmüller: „Im Moment gibt es da keine Überlegungen, aber für die Zukunft kann ich da nichts ausschließen.“

Was die Anwesenden nicht wussten: Zeitgleich war es in dem anderen großen Freiberger Asylantenheim in der Chemnitzer Straße zu einem schweren Zwischenfall gekommen. Kurz vor 18 Uhr kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen einem 28-jährigen Pakistaner und einem 41 Jahre alten Mann aus Indien. Dabei stach der Jüngere sein Gegenüber mit einem Messer nieder. Mit lebensbedrohlichen Verletzungen wurde das Opfer in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei konnte den Tatverdächtigen im Wohnheim festnehmen. Neben Notarzt und Sanitätern war auch ein Kriseninterventionsteam im Einsatz.