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Kategorie: Aktuelles
Marko Winter

Gedanken zum Abgang von Gregor Gysi aus dem innersten Führungskreis der "Linkspartei", von Marko Winter

Die Medien waren einhellig voller Lobeshymnen auf Gregor Gysi, nachdem er verkündete, nicht wieder für den Parteivorsitz der Linkspartei zu kandidieren.

Ohne Zweifel, das muss ich ihm zugestehen, ist er ein begnadeter Politiker: rhetorisch gut, dabei witzig und irgendwie sympathisch. Solche Leute findet man in der heutigen deutschen Politik nicht viele! Ein Studienfreund sagte mir mal: "Gysi ist gut - schade nur, dass er in der falschen Partei ist."

Ja, man kann sogar zu recht sagen, sein Werk ist "historisch", weil er es ermöglichte, dass die SED ihre heutige und nun wohl dauerhafte Erscheinung und ihren Platz im linksdrehenden Parteiensystem der BRD gefunden hat. Das wird auch dadurch sichtbar, dass sie nun augenscheinlich ihren endgültigen Namen hat.

1990 wollten die Genossen in einem Anflug von Ehrlichkeit und Resignation tatsächlich ihre Partei auflösen. Nur Gysis Aufmunterung und seiner Erinnerung an das Parteivermögen haben wir es „zu verdanken“, dass uns die SED erhalten blieb. Der Häutungen der SED, welche uns zuerst mit dem Zusatz „Partei des demokratischen Sozialismus“ in SED/PDS begegnete, dann nur noch als PDS, um dann als Linkspartei wieder aufzutauchen, waren perfekt, weil sie der Ex-SED einen Platz im Parteiensystem der Bundesrepublik sicherten. Dabei hat sie es geschafft, wieder auf die Siegerseite der Geschichte zu kommen.

Schuld daran ist nicht allein Gregor Gysi oder die SED, sondern das politische Klima der Bundesrepublik. Anstelle eines echten antitotalitären Konsens, wie in den Anfangsjahren der Bundesrepublik üblich, ist es zu einem „antifaschistischen Gesinnungssystem“ mutiert. Dieses Klima rechtfertigt mittlerweile alle politischen Taten und Untaten, solange diese im Namen des „Antifaschismus“ getan werden. Diesen Fakt haben Gysi und seine Truppe einfach durchschaut.

Natürlich ist die heutige Linkspartei mehr als nur die SED nach 25 Jahren. Genau so gibt es dort viele gute Realpolitiker, gerade auf der unteren Ebene. Allerdings wurde bei allen Häutungen peinlich darauf geachtet, dass die nährenden Strukturen der Partei und damit auch die Schlagkraft erhalten blieben. Ich finde es nicht verwerflich, wenn sich eine sozialistische Partei dem Wähler zur Wahl stellt. Allerdings wäre ein neuer Anfang entweder ohne Vermögen und alte Machtstrukturen oder mit klarem Bekenntnis zum "Vorleben" wesentlich fairer und ehrlicher gewesen.