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Andrea Kersten

von Andrea Kersten, MdL

Die AfD-Fraktion stellt sich hinter die Interessen von Schülern und Lehrern - CDU, SPD und Grüne sprechen sich dagegen für Klassenzusammenlegungen in 9. Klassen aus

Dass sich Klassenstärken durch Zu- und Abgänge verändern, ist keine Neuigkeit. Das dürfte jeder schon einmal erlebt haben. Wenn diese Veränderungen allerdings zur Zusammenlegung von Schulklassen eines Jahrgangs führen, hat das schon deutliche Auswirkungen auf die Klassenstruktur und das Klassenklima, auf Lehrer und Schüler. Vor ganz besonderen Herausforderungen stehen die Schüler von 9. Klassen, wenn in deren Jahrgang zu Beginn des neuen Schuljahres Klassen zusammengelegt werden.

In Sachsen sollen zum Schuljahr 2015/2016 über 53 Schulklassen eingespart werden. Mit dem wirtschaftlichen Ziel einer Kostenersparnis sollen Zusammenlegungen stattfinden, welche nicht zwingend notwendig wären. Häufig wird durch Abgänger die gesetzlich geforderte Mindestgröße von 20 Schülern pro Klasse nicht unterschritten. Dennoch wird zusammengelegt. So z.B. an einer Schule in Bautzen: hier werden 21 Schüler einer Klasse auf 4 andere Klassen verteilt. Oder am Gymnasium in Mittweida: hier steigt die Schülerzahl von 21 Schülern pro Klasse sogar auf das gesetzliche Maximum von 28 Schülern. Dies wird in Kauf genommen, obwohl auch ohne Zusammenlegung in allen Klassen die Mindestschülerzahl von 20 erhalten bliebe.

 

Selten ist eine Zusammenlegung pädagogisch und praktisch sinnvoll. So können sich Schüler in der wichtigen 10. Klasse, in denen am Gymnasium die besonderen Leistungsfeststellungen zu absolvieren sind und an Ober- und Mittelschulen der Realschulabschluss ansteht, nicht uneingeschränkt auf die anstehenden Herausforderungen konzentrieren. Sie müssen sich erst an neue Mitschüler und neue Lehrer gewöhnen. Das ist eine zusätzliche, nicht notwendige Hürde für den Lernerfolg.

Bereits heute gibt es Ausnahmen für diese Regelung. Die Entscheidung darüber fällen jedoch die Schulleitung und das Kultusministerium im Alleingang. Die Schulkonferenz als Vertretung von Eltern, Schülern und Lehrern hat kein Mitspracherecht. Gerade sie sind es aber, welche den Schulalltag der betroffenen Klassen am besten einschätzen können.

Dieser Missstand war für die AfD-Fraktion des Sächsischen Landtages Grund genug, einen entsprechenden Antrag in den Landtag einzubringen. Bis zur Neuordnung des sächsichen Schulgesetzes sollten ohne Zustimmung der Schulkonferenz keine 10. Klassen an Mittel-/Oberschulen und Gymnasien mehr zusammengelegt werden.

Im Sächsischen Landtag wurde am 08.07.2015 über den Antrag debattiert.

Mit in erster Linie wirtschaftlicher Begründung sprachen sich die Fraktionen CDU, SPD und GRÜNE vehement für die Ablehnung des Antrages und damit für eine Zusammenlegung von Schulklassen aus.

Besonders negativ fiel dabei die hochmütige Rhetorik des SPD-Abgeordneten Holger Mann auf. Er schien sich selbst zu wichtig zu sein, als über ein Thema zu debattieren, welches vielen Bürgerinnen und Bürgern am Herzen liegt. So begann er seine Ausführungen mit harscher Kritik am Umfang des Antrages. Dieser sei zu gering, was die Frage aufwirft, in welchem Zusammenhang der Textumfang eines Antrages mit seiner Wirksamkeit stehen soll. Interessant waren seine Ausführungen auch deshalb, weil gerade die SPD-Fraktion am kommenden Tag einen Antrag einbrachte, dessen Begründung nur ein Drittel des Textes des von der AfD-Fraktion eingebrachten Antrages umfasste.

Petra Zais (Fraktion GRÜNE) bezeichnete den Antrag als "klein und inhaltsleer" und tat ihn als "hanebüchenen Unsinn" ab. Viel wichtiger erschien es ihr, der AfD-Fraktion einen Wahlkampf jenseits der Wahlen zu unterstellen. Interessen von Schülern und Lehrern sind hanebüchener Unsinn? Frau Zais wird hoffentlich von den betroffenen Schülern und Lehrern einmal zum Gespräch eingeladen. In Mittweida jedenfalls hatte sich sowohl bei den Schülern, den Lehrern, den Eltern als auch beim Schulträger massiver Protest gebündelt. Bis dato leider erfolglos.

Das Problem vieler Schülerinnen und Schüler in Sachsen konnte an diesem Tag im Plenum nicht gelöst werden. Die Wirtschaftlichkeit ihrer Schule als Institution ist auch weiterhin wichtiger als ihr Lernerfolg.

Vielmehr hat sich eine Tendenz der Politik in Sachsen erneut bestätigt: Ob ein Antrag sinnvoll ist oder nicht - darüber entscheidet weder eine Einschätzung von Experten noch der gesunde Menschenverstand. Entscheidend ist, welche Fraktion den Antrag einbringt.