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Hans-Thomas Tillschneider

von Hans-Thomas Tillschneider, zuerst erschienen auf der Webseite der Patriotischen Plattform. Diese ist ein Zusammenschluss von Mitgliedern der AfD. Sie kein Organ der Partei.

Angefangen hat es mit „Frei.Wild“, einer Rock-Band aus Südtirol, die einst Kultstatus genoß, weil sie das Kunststück fertig brachte, mit rebellischem Patriotismus erfolgreich zu sein. Mit dem Erfolg dürfte es nun vorbei sein. Am 17. August hat „Frei.Wild“ im Internet eine Erklärung veröffentlicht, von der man im ersten Moment glauben mußte, sie sei das Werk eines Hackers.

Unter dem Titel „Die Welt ist bunt“ wird zunächst etwas wirr von einer brennenden Welt gefaselt, dann werden die gelobt, die sich „für Menschlichkeit und Zivilcourage“ einsetzen und dann schlägt das falsche Pathos jäh in einen fäkalsprachlichen Wutsausbruch um. An die Adresse aller Kritiker der ungezügelten Masseneinwanderung von AfD bis Pegida verkündet „Frei.Wild“: „Ihr seid Scheiße!“

Wer’s nicht glaubt, kann’s hier nachlesen: http://www.frei-wild.net/frei-wild/news/show/339

 

Eine gewisse Arroganz gegenüber der eigenen Zielgruppe gehört in der Musikszene zum guten Ton und manche Fans brauchen wohl auch etwas Erniedrigung, aber was „Frei.Wild“ da abgezogen hat, das war nicht mehr und nicht weniger als der Widerruf ihres Markenkerns.

Sieht ein wenig so aus, als hätte hier jemand mit Musik genug verdient und plane nun den Ausstieg Richtung Politik. Wie dem auch sei: Frei.Wild ist nichts Besonders mehr. Die Zeit der Hemden mit dem depperten Geweih-Logo ist hoffentlich vorbei. Sollen sie künftig selbst damit herumrennen. Wir lassen uns nicht hörnen!

Doch damit nicht genug. Tags darauf bei Maischberger kam Till Schweiger zum Zug, in einer Sendung übrigens, in der Frauke Petry erst ein- und dann ausgeladen wurde, angeblich, weil der Andreas Scheuer, der CSU-Generalsektär, erst abgelehnt und sich dann doch zur Teilnahme entschlossen hat. Nach der Sendung kennen wir den wahren Grund: Frauke Petry hätte die Choreographie empfindlich gestört. Die Diskussion ging nur in die eine Richtung, in die sie gehen sollte: „Schleusen auf, und wehe, jemand wagt zu widersprechen!“

Till Schweiger, der seit neuestem das Flüchtlingsheim als Geschäftsidee entdeckt hat, pöbelte nach Herzenslust und schoß sich auf einen CSU-Generalsektretär ein, der alles in allem eine sehr traurige Figur machte. Interessant an dem Schweigerauftritt war, daß er sogar die Mitschuld der Amerikaner an der Misere in Syrien und Libyen ansprechen durfte. Wenn es darum geht, den Deutschen den Widerstand gegen eine vernichtende Einwanderungswelle auszureden, ist anscheinend so manches Mittel recht. Ein paar wahre Worte sollen das Volk auch den Rest glauben machen. So denkt man sich das wohl.

Ansonsten aber war Schweiger weit weg von der Realität. Sichtlich bemüht, die Lage der Flüchtlinge in den dunkelsten Farben auszumalen, rang er nach starken Bildern. Seine sexuell fokussierte Einbildungskraft brachte aber nur „Mütter, die vergewaltigt worden sind“, „vergewaltigte Kinder“ und „Zwangsprostitution“ hervor. Mit der Wirklichkeit der Flüchtlingsheime, in denen 90 Prozent der Insassen zumeist ledige Männer sind, hat das so wenig zu tun, daß es nicht mehr lange dauern kann, bis die Fassade in sich zusammenbricht.

Aber noch wird getanzt. Am Mittwoch konnte dann Grönemeyer in der Tagesschau den Begriff „Heimat“ zerreden. Auf die Frage „Was ist Heimat für Sie?“ hebt er zunächst an „Heimat ist der Platz, wo …“, merkt aber, daß er die falsche Phrase erwischt hat, weil sich darauf nur etwas sagen ließe, was den besonderen Wert der Heimat herausstellt. Er bricht also ab, setzt neu an und sagt dann etwas sehr Modisches so in der Art, daß wir alle mehrere Heimaten haben und unsere Heimat immer wieder neu basteln müssen.

https://www.tagesschau.de/inland/themenwoche-heimat-103.html

Zwei Minuten lang läßt Grölemeyer seinen Assoziationen freien Lauf und erklärt etwa Identität als Leichtigkeit im Zwischenmenschlichen. Kreativ eben. Doch dann zeigt auch Grölemeyer die Zähne und wirft der CDU vor, daß sie „die Tür nach rechts“ auflasse, weil sie denen, die mit der gegenwärtigen Asylpolitik nicht einverstanden sind, signalisiere, etwas gegen das Problem tun zu wollen und also auch für sie wählbar zu sein.
Das ist doppelt falsch. Ab und an haben zwar einige Politiker der CDU auch klare Momente, diese Partei aber will nicht wirklich etwas gegen den Einwanderungswahnsinn unternehmen, und wenn sie es wollte, wäre sie dafür natürlich nicht zu kritisieren, sondern sehr zu loben. Die Offenheit nach rechts hält Grölemeyer übrigens für „link“, und scheint nicht zu merken, was er da verzapft.

...

Ob es dafür Geld gibt? Ich fände es besser, wenn es dafür Geld gäbe, denn Zynismus ist zwar nicht schön, aber immer noch erträglicher als die blanke Dummheit. Jedenfalls scheint jetzt die Stunde der Künstler zu schlagen. Wo Popularität Autorität und Autorität Popularität bedeutet, ist es nur konsequent, daß als Ersatz für Politiker Sänger und Schauspieler in den Ring steigen.

Sänger und Schauspieler sind Politikern mehrfach überlegen: Ihre Fiktionen sind unterhaltsamer, sie kennen sich in aller Regel mit Marketing aus, sie sind zu nichts verpflichtet, durch keinen Amtseid und keine Partei gebunden und können somit eine Politik, die unserem Land schweren Schaden zufügt, viel besser bewerben. Ihren Anhängern suggerieren sie, Widerstand gegen Einwanderung sei unmenschlich; den Politikern drohen sie, ja nicht auf den Teil des Volks zu hören, der sich von ihnen, den Systemschauspielern, nicht mehr beeindrucken läßt. Das gute Volk und seine Promis gegen das schlechte Volk und eine herzlose Politikerkaste! So soll’s aussehen.

In Wahrheit stehen Volk und volksnahe Politiker gegen antideutsche Promis, antideutsche Politiker und Schlafmützen. Wir sind alle gut beraten, uns davon nicht irre machen zu lassen. Politiker, hört auf Eurer Volk! Und Volk, höre auf Deinen gesunden Menschenverstand, folge Deinem Interesse und pfeife auf das, was die Grölemeyers dieser Welt so von sich geben!