Andrea Kersten

von Andrea Kersten

Mittweida. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege hatte zum siebten Mal Politiker, Verwaltungsbeamte und Vertreter von Wirtschaft und Medien zum beruflichen Perspektivwechsel eingeladen. In der letzten Augustwoche dieses Jahres wurde Interessenten aus den genannten Bereichen die Möglichkeit eingeräumt, einen Tag in einer sozialen Einrichtung tätig zu sein und somit einen Blick auf den Alltag der gewählten Einrichtung zu gewährleisten, eben die Perspektive zu wechseln: rein statt drauf schauen. 

Ich hatte mir für meinen Perspektivwechsel eine Einrichtung für betreutes Wohnen für psychisch Kranke in der Nähe von Mittweida ausgewählt. Der Verein für Betreutes Wohnen Mittweida e.V., in Persona deren Einrichtungsleiterin Frau Menzel, empfing mich offen und freundlich. In der Wohnstätte werden Betreuung und Unterkunft für chronisch psychisch Kranke angeboten. Ziel ist es, den Bewohnern perspektivisch ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen, obwohl klar ist, dass dies nicht für alle gelingen wird. Der Tag begann mit einer umfassenden Information über die Einrichtung, den Verein als Betreiber sowie einem Rundgang durch Teilbereiche der Wohnstätte.

Eines der Häuser hatte an meinem Einsatztag Putztag. Die Bewohner und Betreuer nutzen diesen Tag zum Großreinemachen ihrer Wohnräume. Bis zum Mittag unterstützte ich dabei eine Wohngruppe. Nach dem Mittagessen, welches von den Bewohnern der Einrichtung selbst gekocht wird, durfte ich eine durch einen Beinbruch derzeit beim Gehen stark eingeschränkte Bewohnerin im Rollstuhl ausfahren. Das wunderschöne Sommerwetter lud dazu regelrecht ein.

Obwohl die Frau mir sagte, dass sie diesen Ausflug nicht genießen kann, hoffe ich doch sehr, dass ihr die frische Luft und somit der ganz kleine Perspektivwechsel gut getan haben. Ich musste feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, einen Rollstuhl zu händeln und man auch durchaus ein paar „Muckis“ braucht. 

Mir jedenfalls hat der Tag einen Blick in einen Bereich gewährt, der mir bis dahin völlig unbekannt war. Soziale Arbeit hat mir schon immer großen Respekt abgerungen, bei dieser Einrichtung war das nicht anders. Motivierte, freundliche und herzliche  Mitarbeiter prägen diese Wohnstätte, die schon allein in ihrer optischen Erscheinung Wärme und Behaglichkeit ausstrahlt. Obwohl mich die ganze Zeit das schlechte Gewissen plagte, da ja letztlich durch meine Anwesenheit Mitarbeiter der Einrichtung gebunden waren, um mich anzuleiten, bin ich dankbar für diesen Tag. Ich kann allen eine solche Erfahrung empfehlen.

Meine seit Mai dieses Jahres monatliche Spende in Höhe von 300 Euro an eine mittelsächsische Einrichtung werde ich im September an den Verein für betreutes Wohnen Mittweida e.V. übergeben.

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