von Dr. Hans-Thomas Tillschneider, zuerst erschienen auf der Webseite www.derfluegel.de; Dr. Tillschneider ist Islamwissenschaftler an der Universität Bayreuth; Seit 13.03.2016 ist er gewähltes Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt in Magdeburg

Fortsetzung von Teil 1, nachzulesen hier

  1. Es geht nicht um Religion und Recht, es geht um Kultur und Politik!

Die Islamverbände gleichen in ihrer Struktur und ihrem Verhalten eher politischen Parteien als Religionsgemeinschaften. Es handelt sich um Ableger internationaler Netzwerke, die in den islamischen Stammländern verankert sind und auf weltweiten Machtzuwachs hinarbeiten. Zur Durchsetzung ihrer rein politischen Interessen berufen diese Verbände sich auf die Religionsfreiheit.

Aus Sicht des Islam, der noch nie zwischen Religion und Politik getrennt hat, ist ein solches Vorgehen nur konsequent. Wenn die Islamverbände ein religiöses Recht nutzen, um ihr politisch-kulturelles Hegemoniestreben abzusichern, handeln sie im Einklang mit ihrem Weltbild. Aus unserer Sicht aber liegt darin ein schwerer Mißbrauch der Religionsfreiheit. Zweck der Religionsfreiheit ist nicht, die Machtposition von politischen Verbänden auszubauen, sondern Gläubige vor Verfolgung und Repression zu schützen.

Verschärfend kommt hinzu, daß die europäische Linke in den Islamverbänden Verbündete bei ihrem Kampf gegen die abendländisch-christliche Tradition gefunden hat. Wenn fremdkulturelle Religionen die Religionsfreiheit in gleichem Umfang wie die christlichen Kirchen in Anspruch nehmen, sind multikulturelle Verhältnisse die Folge. Die Religionsfreiheit wird zum Vehikel einer multikulturellen Transformation. Sie fungiert als trojanisches Pferd, den Kulturrahmen aufzubrechen, der unsere Verfassungsordnung erst möglich gemacht aus.