„Warum hast du bei einem AfD-Wahlwerbespot mitgemacht?! Die sind doch rechts!“, wird meine 13jährige Tochter angegangen. Ablehnung schlägt ihr entgegen, weil ich – ihr Vater – mich in der AfD engagiere. Weil ich das tue, bin ich rechts, rückwärtsgewandt und ausländerfeindlich. Und meine Tochter gleich mit.

Bin ich rechts? Ich bin 43, habe mit meiner großartigen Ehefrau sechs Kinder, die auch ohne institutionalisierte Betreuung wohl geraten sind, habe in meinem Unternehmen Arbeitsplätze geschaffen, zahle Steuern, engagiere mich in meiner Kirchgemeinde und habe Apfelbäume gepflanzt. Meine Nachbarn schätzen mich. Für jedes unserer Kinder haben wir ein Patenkind in der sogenannten dritten Welt. Ein Zehntel unseres Einkommens geht an Einrichtungen und Personen, die sich um Kinder kümmern, denen es schlechter geht als unseren eigenen. Ich singe gern und lese viel. Ich denke nach, hinterfrage, und ja: ich lasse mich gerne korrigieren, wenn mich das weiterbringt.

Und ich bin rechts. Steht in der Zeitung. Sagen die gebührenfinanzierten ARD und ZDF. Wird im Internet verbreitet. Denn die AfD ist rechts. Woran wird das fest gemacht?

Da sind zunächst AfD-Mitglieder, die sich vormals in Organisationen tummelten, die als rechts definiert sind. Von wem eigentlich? Und was konkret ist „rechts“? Egal – einmal rechts, immer rechts. Lernfähig ist man nur als maoistischer Steinewerfer oder grüner Kinderschänder – mit so einer Vita kann man deutscher Außenminister oder EU-Abgeordneter werden. Obwohl: lernfähig? Na, jedenfalls nicht rechts. Alles andere ist verzeihlich.

Da sind weiter gescannte Zettel, die dem offiziellen Parteiprogramm der AfD zwar entgegenstehen, aber von schnappatmenden des Schreibens immerhin mächtigen Personen („Journalisten“ würde ich hier nicht sagen wollen) dennoch als interne Parteimeinung verbreitet werden; Zettel, auf denen Kommunikationsüberwachung gefordert wird oder bestimmte Regularien für Kindergeld an Ausländer. Wen kümmert`s, dass diese Forderungen aus gutem Grund nicht im AfD-Programm stehen, sondern im Papierkorb gelandet sind? Der Zettel lag schon mal auf einem AfD-Schreibtisch! Wer schreibt, der bleibt. Mit dieser Gewissheit müsste ich mal Frau Dr. Merkels Dissertation lesen, die wohl kaum ohne Bezug auf Marx und Lenin ausgekommen sein dürfte, und aus der ich à la Anonymus Rückschlüsse auf Frau Dr. Merkels politische Absichten ziehen kann. Ach nein, geht nicht. Denn Frau Dr. Merkel ist nicht rechts – da darf man so vereinfachend nicht an die Sache herangehen. Ich vergaß.

Da sind auch Schlagworte auf den Wahlkampfplakaten der AfD, die ähnlich auch auf den Plakaten der NPD standen. Aber auch auf denen der CDU. Und der SPD. Und der FDP auch. Gut, bei den Grünen nicht so. Aber bei der NPD! Die sind ja rechts. Und deshalb ist jede politische Forderung, die aus dieser Partei kommt, unsinnig, ungehörig, fast schon eine Straftat. Man macht nichts, was auch Nazis machen. Zum Beispiel Unterwäsche tragen? Ein Argument hört offensichtlich auf, eines zu sein, wenn man das Etikett „rechts“ draufkleben kann. Kommt dasselbe Argument ohne das Etikett, ist es ein nachdenkenswerter Vorschlag und der Diskussion würdig. Schon klar.

Da sind schließlich Begriffe wie „Entartung der Demokratie“, die, von Herrn Prof. Lucke im Zusammenhang mit der Eurorettungspolitik gebraucht, eindeutig rechts zu verorten sind. Wenn Herr Dr. Schäuble zwei Jahre zuvor von „Entartungen von Macht und Politik“ spricht, ist das in Ordnung, denn erstens war der Zusammenhang ein politisch aktuell unverfänglicher – es ging um die Berliner Mauer – und zweitens: Herr Schäuble ist ja nicht rechts. Deshalb darf er das. Der Gute.

 

Ich lerne: Du darfst alles, es sei denn, jemand kann dir ein Schild „Rechts!“ ankleben.

 

Was macht aber nun die AfD für mich aus?

 

Ich bin es leid, meine Steuergelder im Brüsseler und Berliner Nirwana verschwinden zu sehen, während das Finanzamt meine Unterlagen mit einer Grimmigkeit sichtet, als sei ich ein Verbrecher, der lediglich ein gutes Alibi hat. Ich bin es leid, mich für unser traditionelles Familienmodell zu rechtfertigen, als habe der Kindergarten einen Anspruch auf meine Kinder und der Bürosessel einen auf meine Frau. Ich bin es nicht leid, als Unternehmer das Risiko meines Geschäftes zu tragen, aber ich bin es leid, dass mir die Chancen meines Geschäftes geneidet werden. Ich bin es leid, ein Fernsehen bezahlen zu müssen, das mir Leitbilder unterjubelt, die mir fremd sind, und das meine Maximen verhöhnt. Ich bin es leid, ein Kruzifix im Nachttopf als Kunst und eine Mohammedkarikatur als Kriegserklärung akzeptieren zu müssen. Ich bin es leid, mir mangelnde Solidarität vorwerfen zu lassen, weil ich nicht bereit bin, jedem die Selbstbedienung aus meinem zuvor von mir gefüllten Kühlschrank zu erlauben. Ich bin es leid, dass ich mich als Reaktion auf Gewalt von Ausländern gegen Deutsche in Lichterketten im „Kampf gegen rechts“ einreihen soll. Ich bin es leid, die Freude an meiner Heimat verstecken zu sollen. Und ich bin es leid, mir gedankenlose Plattheiten an den Kopf werfen zu lassen.

 

Gehe ich damit zu unseren Volksparteien, wird mir der Kopf getätschelt, ich bekomme einen Keks und die Ansage, das ist alternativlos. Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

 

Nun, ich engagiere mich in der AfD, weil ich genug davon habe, mir vorschreiben zu lassen, wie ich denken und vor allem, welche Argumente ich ausblenden soll, nur weil irgendwer den Joker „RECHTS!“ auf den Tisch knallt und damit alle anderen Karten sticht, und seien sie noch so gut.

 

Der AfD wird vorgeworfen, sie sei eine bloße Protestpartei, weil sie betone, wogegen sie ist, und weniger, wofür. Auch ich liste ja auf, wessen ich alles leid bin. Aber es fängt damit an, die Punkte zu definieren, die man geändert haben will. Erst nach der Iststandsanalyse kann das Soll fundiert beschrieben werden. Und bereits diese Analyse ist es, die Parteien und Medien entweder verweigern oder mit dem Knüppel „Rechts!“ verhindern. Gut, dass es die AfD gibt, die die längst überfälligen Diskussionen ermöglicht! Dass der Bedarf an diesen Diskussionen vorhanden ist, beweisen die Wahlen.

 

Man darf auf gesellschaftliche Probleme unterschiedliche Sichtweisen haben und entsprechend verschiedene Analyseergebnisse und Lösungskonzepte zur Debatte stellen. Debatte heißt für mich, bei dem Anderen ein gewisses Nachdenken vorauszusetzen, ihm zuzuhören, zu versuchen, mich mit seiner Sichtweise vertraut zu machen und seine Argumente nachzuvollziehen. Das passiert natürlich kritisch, und ich werde Schwachpunkte in der Argumentation genauso hinterfragen wie die zugrunde liegende – bspw. ideologische – Sichtweise. Und weil ich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und kapiert habe, dass ich lebenslang Lernender bleibe, lasse ich mich genauso hinterfragen. Aber ich fordere dabei Respekt; Respekt, den ich anderen auch gewähre.

 

 

Wenn es um die Sache geht, kommen wir mit den billigen Jokern nicht weiter. Also schlage ich vor, die Kindereien bleiben zu lassen, Probleme ernst zu nehmen, miteinander Fakten zu suchen und zu reden.

 

Und lasst meine Tochter in Ruhe!

René Kaiser

Kreisverbandsvorsitzender