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Kategorie: Aktuelles

von René Kaiser und Redaktionsteam (Leserbrief und Kommentar)

Unser Stammtisch mit Antje Hermenau erzeugt ein großes Presseecho. Leider werden wir dazu nicht befragt. Hier einige Beispiele:

Sächsische Zeitung (15.09.2016): Antje Hermenau am AfD-Stammtisch

Welt (16.09.2016): Ex-Grüne verteidigt Auftritt bei AfD-Stammtisch

Freie Presse (19.09.2016): Die Stimmung ist aufgepeitscht

Rene Kaiser schrieb als Reaktion auf den Artikel in der "Freien Presse" folgenden öffentlichen Leserbrief:

Sehr geehrter Herr Hach,

Ihr Interview mit Frau Hermenau hat mich überrascht. Nicht dass Sie es führten, aber der Duktus, als sei es etwas Ungewöhnliches, ja schon Unmoralisches bis Skandalöses, dass eine parteilose politische Beraterin, die zwecks Einstieg in gesellschaftsrelevante Diskussionen eine Streitschrift verfasst, eine Einladung der mittelsächsischen AfD zu eben dieser Diskussion annimmt. Was ist Ihr Problem?

Sie haben mich zwar nicht nach meiner Meinung gefragt – aber zwei Punkte möchte ich Ihnen doch zu bedenken geben:

(1) Unsere thematischen Stammtische – jener mit Frau Hermenau wird der 26. Stammtisch – stehen von Anfang an unter dem Motto „Hören. Diskutieren. Wissen.“. Bislang jede Pressemitteilung zu einem Stammtisch enthält eine Erläuterung, was unsere Absicht mit diesen Veranstaltungen ist: Sie „sollen helfen, strittige Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Besonderes Augenmerk wird auf die Möglichkeit eines sachlichen Gedankenaustauschs gelegt.“ Auf diese Intention trifft Frau Hermenaus Streitschrift – können Sie sich etwas vorstellen, das von der Ausrichtung her besser zueinander passt? Wo ist der Skandal, Herr Hach? Dass man miteinander zu reden beabsichtigt?

Ich persönlich freue mich sehr auf Frau Hermenau, gerade weil sie uns nicht nach dem Munde reden, sondern uns mit einigen Thesen auch herausfordern wird. In Mittelsachsen legen wir großen Wert darauf, nicht in ideologische Fahrwasser zu geraten, sondern hinterfragbar, gesprächs- und lernbereit zu bleiben. Wer mit uns redet – an dieser Stelle bewusst die Einladung an Ihre Adresse, Herr Hach – stellt regelmäßig fest, dass wir keine hinterlistigen braunen Teufel, sondern mitten im Leben stehende Menschen sind, die sich durchaus Gedanken machen (die man natürlich nicht teilen muss).

(2) Ich verfolge die Reaktionen im Netz auf Frau Hermenaus Bereitschaft, ihr Buch auf unserer Veranstaltung vorzustellen, sehr genau – und bin erschüttert. Frau Hermenau beschreibt es ja auch in Ihrem Interview, welchen Anfeindungen sie und ihr Sohn (!) ausgesetzt sind; Anfeindungen, die so weit gehen, dass sie eine Strafanzeige in Erwägung zieht.

Natürlich kann und will ich Ihren Job nicht bewerten, aber als Leser frage ich mich, warum Sie darauf nicht eingehen. Ist nicht das der Skandal, dass jemand, der in einer „aufgepeitschten Stimmung“ (der Titel Ihres Artikels!) das Gespräch nicht verweigert, angefeindet und ausgegrenzt wird?! Kennen Sie Herrn Kaseks Twitterreaktion? Welche Gesellschaft wollen wir – wollen Sie, Herr Hach? Eine, die sich in Lager zerlegt? In der man über- statt miteinander redet? In der Missverständnisse, Verleumdungen und Ausgrenzungen zum Normalfall werden? In der es schließlich zum persönlichen Risiko wird, wenn man gesprächsbereit bleibt? Ihr Interview erweckt zumindest bei mir den Eindruck, als ob Sie mit einer solchen Gesellschaft kein Problem hätten und als ob für Sie das, was Frau Hermenau derzeit erfährt, normal ist; nichts, über das man reden müsste. Na dann.

Schließlich greife ich Frau Hermenaus These auf: „Wenn man diese Leute mal fragen würde, wofür seid Ihr eigentlich? Dann würde es viel weniger geben, die der AfD die Lösungen anvertrauen würden. Es ist noch nicht klar erkennbar, ob die AfD zu einer Partei wird, die Lösungen anbietet. Man muss sich das anschauen und im Gespräch bleiben.“ Fragen Sie uns doch, Herr Hach, wenn in der Information über unsere Partei, unser Programm, unsere Lösungen der Schlüssel liegt, uns zu entzaubern. Diese Entzauberung ist doch Ihr – durchaus legitimes – Anliegen, warum verfolgen Sie es nicht konsequent? Reden Sie mit uns statt über uns.

Natürlich polarisiert die AfD. Das macht jede Partei, die sich hinter einem Inhalt, einer Mission versammelt. Wir sind uns dessen bewusst, dass Maximalforderungen nie mehrheitsfähig sind, aber aus unserer Sicht gehört es zur Demokratie, dass legitime (d.h. auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung geäußerte) pointierte Schwerpunkte in eine gesellschaftliche Diskussion eingebracht und betrachtet werden müssen, um letztendlich zu einem mehrheitlichen Konsens zu gelangen. Unsere Stammtische sind als kleiner und regionaler Baustein dazu gedacht. Ungewöhnlich? Unmoralisch? Skandalös?

 

Für Rückfragen und einen sachlichen Gedankenaustausch stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.