Abgeordnete der AfD beim Plausch

von Andrea Kersten, MdL

Am vergangenen Mittwoch hatte unser Ministerpräsident Stanislav Tillich wie alljährlich zum Neujahrsempfang geladen. Mehrere AfD-Abgeordnete, darunter auch ich, waren mit Begleitern aus den einzelnen Kreisverbänden zum Empfang gekommen. Neben den vom Ministerpräsidenten übermittelten guten Wünschen für das beginnende Jahr wird diese Veranstaltung auch genutzt, um engagierte Bürger aus Sachsen auszuzeichnen. Musikalische und tänzerische Beiträge und ein wahrhaft schmackhaftes Büfett rundeten die Veranstaltung sowohl kulturell als auch kulinarisch ab. Ein gelungener Neujahrsempfang, möchte man meinen.

 Leider mutete es beinahe schon skurril an, wie nicht nur die verpflichteten internationalen Künstler und die Ausgezeichneten, sondern das ganze Haus für den politischen Meinungsbildungsprozess „instrumentalisiert“ wurden.

Herr Tillich hatte ins Albertinum eingeladen, einem Museum, in welchem Skulpturen und Gemälde internationalen Ursprungs ausgestellt sind. Die Eingangsfassade war deshalb mit einer großen Plane behangen, auf welcher zu lesen war: „Ein Haus voller Ausländer.“ Nach kurzem Überlegen wurde mir klar, dass nicht wir Eingeladenen, sondern die ausgestellten Objekte gemeint waren. Vermittelt werden sollte uns wohl, wie friedlich, weltoffen und tolerant die Gemälde und Skulpturen miteinander „leben“ und somit vorbildhaft für uns sind.

Durch das Programm führte ein sympathischer junger Mann, welcher uns als Herr Duy Tran vorgestellt wurde. Dass er vietnamesische Wurzeln hat, war offensichtlich. Gleichwohl war Herr Duy Tran angehalten, uns genau diesen Sachverhalt deutlich zu machen, indem er uns erzählte, dass er zur zweiten Generation der hier lebenden Vietnamesen gehöre und sich hier sehr wohl fühle. (Hier sei mir gestattet zu erwähnen, dass ich persönlich die in Ost-Deutschland seit vielen Jahren lebenden Vietnamesen als ein besonders gutes Beispiel einer gelungenen Integration empfinde. Seit über 30 Jahren prägt diese Bevölkerungsgruppe die Gesellschaft in den neuen Bundesländern wie selbstverständlich mit. Darüber hinaus widerlegen sie auch die medial vorgebrachte These, in Ost-Deutschland würde die Bevölkerung Ängste vor Ausländern haben, weil sie bis dato mit ausländischen Bürgern kaum Kontakt hatte. Dies ist somit grundsätzlich falsch. Neben den Vietnamesen, die nach der Wende in der Bundesrepublik verblieben, waren in den 80-ziger Jahren auch viele Mosambikaner und Kubaner in der ehemaligen DDR, um sich ausbilden zu lassen.)

Nach der Rede von Herrn Tillich wurden die Gäste musikalisch von Studenten der Hochschule für Musik in Dresden gegrüßt. Auch hier war Herr Duy Tran angehalten, den Anwesenden zu verdeutlichen, wie international das Orchester aufgestellt sei, wie viele Nationen dessen Mitglieder vertreten. Auch im am Einlass übergebenen Informationsblatt wurden neben dem Programm alle auftretenden Künstler nicht nur namentlich, sondern auch deren Herkunftsland genannt.

Im Anschluss an diesen musikalischen Gruß wurde besonders engagierten Bürgern die Ehrenamtsurkunde verliehen. Es dürfte nicht schwer fallen, zu erraten, in welchem Bereich alle Ausgezeichneten tätig sind: jeder von ihnen hat oder hatte in irgendeiner Art und Weise mit Ausländern, Flüchtlingen oder Asylbewerbern zu tun. Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, deren Arbeit sei nicht auszeichnungswürdig. Ganz im Gegenteil. Jeder, der sich ehrenamtlich für andere Menschen einsetzt, leistet wertvolle Arbeit. Dennoch mutete es schon eigenartig an, dass es derzeit wohl keine zu ehrenden Bürgern gibt, die sich in anderen Bereichen ehrenamtlich engagieren. Mir taten die Geehrten ein wenig leid, da allen klar war, dass sie an diesem Nachmittag nur auf der Bühne standen, weil sie sich im Bereich der sogenannten „Willkommenskultur“ engagieren.

Den Abschluss des Programms bildete eine Tanzperformance des Leipziger Balletts. Dass Tanzensemble international aufgestellt sind, ist bekannt. Aber auch in der Ankündigung dieses Auftrittes vergaß es Herr Duy Tran nicht, auf die internationale Zusammensetzung hinzuweisen und wie erfolgreich dies doch sei. Vergessen hat Herr Duy Tran allerdings, zu erwähnen, dass der Erfolg von Tanzensembles und Orchestern auf deren qualitativen Leistung beruht. Mitglied dieser Künstlergruppen kann nur werden, wer sich einem ausnahmslos harten Eignungs- und damit Qualitätstest stellt und die Qualitätsansprüche auch erfüllt. Entscheidend ist also nicht, was der einzelne Tänzer oder Musiker will oder woher er kommt, sondern entscheidend ist, ob er ins Ensemble oder Orchester passt und ob er für deren Zielsetzungen geeignet ist.

Damit ist klar, dass Weltoffenheit und Toleranz allein nicht ausreichen, um anderen Menschen eine Heimat zu bieten. Für mich unterstreichen die Beispiele des Orchesters und Tanzensembles mehr denn je die berechtigte Forderung nach einem qualifizierten Einwanderungsgesetz.

Die Performance der Tänzer war für mich ein gelungener Auftritt. Ich fand es nur schade, dass die Künstler politisch „benutzt“ wurden. Diesen faden Beigeschmack konnte auch das anschließende Büfett nicht mehr wegwischen, welches selbstredend aus internationalen Leckerbissen bestand.

Andrea Kersten, MdL